Werbung | Der Herrenwitz

Männer sind bekanntlich Schweine. Im Arbeitsalltag markieren sie den kühl kalkulierenden Strategen, der powerpointgerecht fünf Allerweltsbanalitäten akkurat untereinander aufzulisten weiß. Aber zu Hause lassen sie all ihre Parfümflakons einfach schlampig in der Wohnung herumliegen. Der täglichen Pflicht folgend, für Ordnung und Sauberkeit im Eigenheim zu sorgen, war die gewissenhafte Hausfrau daher lange Zeit mit der kniffligen Frage konfrontiert: Wohin mit all den Fläschchen? Zum Glück gibt es jedoch die Werbung! Und dank des Modedesigners Tom Ford wissen nun auch endlich die angeheirateten Raumpflegerinnen, was zu tun ist. Die sachgerechte Aufbewahrung eines Parfümflakons besteht nämlich darin, dass man ihn entweder zwischen zwei feucht schimmernde Brüste quetscht oder auf einen frisch rasierten Schamhügel presst. Im Nachhinein kann man sich nur darüber wundern, dass die Menschheit nicht schon früher auf die Lösung dieses uralten Logistikproblems gekommen ist. Denn aufgrund der Berliner Pilsner-Werbung war ja schon länger bekannt, dass die sachgerechte Entsorgung einer Bierflasche darin besteht, sie auf einem weiblichen Gesäß abzustellen. Hier hätte man nur eins und eins zusammenzählen müssen. Und das hätte für kühl kalkulierende Strategen, die immerhin fünf Allerweltsbanalitäten akkurat untereinander auflisten können, eigentlich ein Leichtes sein müssen. Aber manchmal bedarf es eben doch der Werbung, um in der Menschheitsgeschichte die wirklich großen Sprünge nach vorn machen zu können.

Pinkstinks

Derart revolutionäre Erkenntnisgewinne sind gegenwärtig jedoch einer akuten Bedrohung ausgesetzt. Denn unter dem Einfluss des Bündnisses »Pinkstinks« plant Bundesjustizminister Heiko Maas einen Gesetzentwurf zum Verbot sexistischer Werbung. So soll ein »moderneres Geschlechterbild« etabliert werden, wie es in einem Beschluss der SPD-Parteispitze als Reaktion auf die sexuellen Übergriffe der Silvesternacht in Köln heißt. Da Sexismus aber selbstverständlich auch ein Erzeugnis des aufgeklärten Abendlandes ist, hat sich sofort einer der letzten wirklich patriotischen Europäer zur Rettung sexistischer Werbung aufgemacht. Mit swingerclubbender Weltläufigkeit merkte nämlich der unerschrockene Freiheitskämpfer und FDP-Vorsitzende Christian Lindner nicht nur an, dass Maas´ »Pläne zum Verbot von Nacktheit und sexualisierter Werbung« an »Spießigkeit kaum zu überbieten« seien. Vielmehr stellte der fesche Libertin auch sogleich klar: »Die Verhüllung von Frauen zur Bändigung von Männern zu fordern, das kannte man von radikalen islamischen Religionsführern, aber nicht vom deutschen Justizminister.« Genau! Unerhört! Ein Skandal! Wo kämen wir denn da hin, wenn der islamistische Terror jetzt auch noch unseren schönen abendländischen Sexismus kaputt machte? Da wüsste man am Ende doch gar nicht mehr, wo man all die Parfümflakons und Bierflaschen lassen soll!

Sexistische Kackscheiße

Gelegentlich wird ja behauptet, die AfD sei die neue FDP. Lindner hat mit seinem beherzten Plädoyer für  sexistische Werbung nun aber messerscharf erkannt, dass man diesem verhängnisvollen Trend mit ganzer Härte begegnen muss. Als freier deutscher Demokrat muss man sich daher wieder auf die stolze Tradition besinnen, die der große liberale Vordenker Rainer Brüderle einst stiftete, indem er mit fachmännischem Blick überprüfte, welche Journalistinnen ihr Dirndl angemessen ausfüllen können. Nur ein entschlossenes Eintreten für sexistische Kackscheiße kann jetzt noch diese so genannte Alternative für dieses so genannte Deutschland stoppen! Dass diese Alternative gar keine ist, wird nämlich nirgends so deutlich wie bei ihrer völlig missglückten Pro-Sexismus-Kampagne. Das uns nachfolgend vorliegende Werbematerial beweist dies eindrucksvoll:

afd_screenshot

Es ist schon peinlich, wie sich die AfD mittels der hier abgebildeten Flakonhalter völlig hemmungslos an die maßgebliche Brüderle-Doktrin ranwanzt. Aber selbst Brüderle als Großmeister des Sich-Satt-Sehens hätte sofort erkannt, dass man hungrig zurückbliebe, würde Frauke Petry zum Promi-Dinner laden oder Alexander Gauland ein Kochbuch veröffentlichen. Denn hier sieht man zwar allerlei, aber weder eine Küche, die kocht, noch eine kochende Frau in einer Küche. Bar aller Kochzutaten einen Schneebesen in ein leeres Nudelsieb zu halten, während man seinen Zeigefinger auf eine Buchseite drückt, gilt nämlich nirgendwo als Kochen – weder im Abendland noch in irgendeinem anderen Land, in dem patriotische Europäer gegen Islamisierung und für sexistische Werbung kämpfen könnten. Wer auf der obigen Abbildung eine kochende Frau in einer Küche zu sehen glaubt, sieht also keineswegs etwas, das politisch nicht korrekt ist, sondern erliegt schlichtweg einer Fehlwahrnehmung. Und daher bleibt das, was uns die AfD hier sagen will, ebenso diffus wie die Schrifttype, die sie verwendet, um ihre unklare Botschaft an den Mann zu bringen. Solch ein dilettantischer Umgang mit sexistischer Kackscheiße würde Tom Ford niemals unterlaufen! Und Christian Lindner natürlich auch nicht! Das wird sofort klar, wenn man versteht, dass der FDP-Slogan »German Mut« keineswegs ein gemischtsprachlicher Ausdruck ist, sondern sich voll und ganz der australischen Umgangssprache bedient.

Foto: Facebook / Sreenshot

Zur Person Thomas Hoffmann

Thomas Hoffmann hat Bücher über die rechtfertigende Kraft der Erfahrung und die Natur des Guten geschrieben. Anfang 2019 sagte er endgültig „Piss off!“ zum akademischen Affenzirkus und gab seine Venia Legendi im Fach Philosophie zurück.

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