Roboter | Familienähnlichkeit

Bald kommen die Roboter – die Roboter, die genauso oder sogar mehr noch so sind wie wir. Das glauben zumindest viele Menschen. Das wird in Literatur und Film immer wieder neu verhandelt. Das ist inzwischen auch Gegenstand mehr oder weniger ernsthafter philosophischer Abhandlungen. Tatsächlich spricht derzeit aber ziemlich wenig dafür, dass diese uns in unserer Menschlichkeit abbildenden Roboter demnächst auf der Bildfläche erscheinen werden. Wie unwahrscheinlich das in Wahrheit ist, zeigt sich jedem sofort, der einmal bei der Fußballweltmeisterschaft für Roboter zugeschaut hat. Das ist fast so gut wie Monty Python’s berühmter Philosophenfußball! Auch hat noch keine Maschine den so genannten Turing-Test bestanden. Dabei kommuniziert ein Mensch per Computer und weiß nicht, ob sein Gesprächspartner eine Maschine oder ebenfalls ein Mensch ist. Wenn sehr viele Menschen in solchen Gesprächen ein Computerprogramm für einen Menschen halten, dann hat diese Maschine den Turing-Test bestanden. Eigentlich sollte das nicht so schwer sein, immerhin sind die meisten von uns ziemlich höfliche Mitmenschen. Wer will schon seine Mitmenschen aus Versehen verdinglichen? Genau das geschieht ja, wenn man in diesem Test sein menschliches Gegenüber fälschlicherweise als Maschine betrachtet. Trotzdem scheitern die Maschinen regelmäßig an diesem einfachen Test.

Die Suche nach der Menschlichkeit

Doch von der recht großen Unwahrscheinlichkeit des baldigen Aufziehens und des unweigerlich folgenden Aufstandes künstlicher Menschen sollten wir uns nicht abschrecken lassen. Philosophische Spielereien sollen ja keine realistischen Gesellschaftsszenarien sein. Vielmehr dienen sie dazu, die Grenzen, aber auch die Ecken und Kanten unseres Denkens auszukundschaften. Auf dem Streifzug durch die staubigen Kammern und versteckten Winkel des Verstandes werden diese Menschmaschinen plötzlich zu einer interessanten Idee. Das ist übrigens ja auch gar nicht so neu – denken wir nur an den Golem oder an Frankensteins Monster. Der Grund unserer Neugier liegt natürlich darin, dass die Vorstellung künstlicher Menschen unweigerlich mit der Frage verbunden ist, was das Menschsein als solches eigentlich ausmacht. Das steckt hinter dieser seltsamen schrecklich-schönen Faszination der Roboter. Wir sind von Robotern begeistert und abgestoßen, weil sie die Frage aufwerfen und in Frage stellen, was wir Menschen eigentlich sind. Sind es unsere Emotionen? Ist es der Verstand? Die Sprache? Oder gar die Körperlichkeit? Die Lebendigkeit? Oder eher die Sterblichkeit? Das politische Handeln? Die Zukunftsvisionen? Die Geschichtlichkeit? Vielleicht ist es ja auch eine Mischung aus all dem.

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Ich möchte gegenüber dieser üblichen Art, die Menschlichkeit der Menschen über eine Liste von Eigenschaften zu bestimmen, eine strukturell anders geartete These vertreten, die sich an Thomas Hobbes anlehnt. Hobbes hat in seinem bedeutenden Buch »Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und staatlichen Gemeinwesens« die These vertreten, dass sich die Menschen in ihren geistigen und körperlichen Kräften sehr ähnlich sind. Die körperliche Ähnlichkeit erkennt man daran, dass alle Menschen alle anderen auf die eine oder andere Weise ums Leben bringen können. Die geistige Ähnlichkeit hingegen erkennt man daran, dass alle Menschen mit ihrer Verstandestätigkeit gleichermaßen zufrieden sind. Das wären sie Hobbes zufolge aber nicht, wenn sie in dieser Sache sehr viel weniger leistungsfähig wären als andere Menschen.

Eine politische Menschmaschinengemeinschaft?

In dieser Ähnlichkeitsthese von Hobbes liegt die wahre Herausforderung der Menschroboter: Wären sie uns in geistiger und körperlicher Hinsicht noch in hinreichendem Maße ähnlich? Solange sie uns unterlegen sind, nehmen wir das vielleicht noch hin. Doch was, wenn sie uns plötzlich haushoch überlegen sein werden? Was, wenn sie für uns unzerstörbar werden? Was, wenn sie Überlegungen anstellen, die für uns gar nicht mehr nachvollziehbar sind? Dann ist es vorbei mit der relativen Ähnlichkeit der Menschen. Die Menschroboter wären uns ganz unähnlich. Aus der Sicht von Hobbes wäre das ein äußerst übler Zustand, weil man dann keinen gültigen Staatsvertrag mehr miteinander schließen und keinen dauerhaften Frieden untereinander mehr schaffen kann. Man sollte Hobbes in dieser Sache sehr ernst nehmen. Zum Glück gibt es jedoch keine Menschroboter und wird es so schnell auch nicht geben. Hoffentlich.

Bild: http://www.starwars.com/news/my-star-wars-weekend-activities

Zur Person Christian Neuhäuser

Christian Neuhäuser schaut großen Wirtschaftsunternehmen auf die Finger und schrieb zuletzt über die Philosophie des Sen. Er hat eine Juniorprofessur für Philosophie und Politikwissenschaft an der TU Dortmund inne.

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