Über Slippery Slopes

 

In philosophischen Auseinandersetzungen wähnt man sich gelegentlich auf einer »schiefen Ebene«, und dann wird rasch vor einem slippery slope gewarnt: Irgendjemand hat ein Argument vorgetragen, und die jeweils andere Partei sieht mit Blick auf drohende Handlungsfolgen unberechenbare Konsequenzen, einen sogenannten Dammbruch oder Domino-Effekt am Horizont heraufziehen: »Wenn wir das Hanf-Rauchen legalisieren, landen am Ende alle bei Crystal Meth.« Oder »Wenn Homosexuelle heiraten dürfen, dann wollen andere demnächst auch ihre Eltern, Autos oder Haustiere heiraten.« Abgesehen davon, dass diese Befürchtungen philosophisch doch sehr fragwürdig sind, zumal sie empirisch übereilt und meist auch leicht hysterisch klingen: Hier kommt eine akademische Hasenfüßigkeit zum Ausdruck, von der sich dieses Online-Magazin sehr gern befreien möchte: Offenbar kommen Philosophinnen und Philosophen nicht gern ins Rutschen. Aber warum eigentlich? Kann das nicht auch Spaß machen?

Rutsche1

Eine philosophische Rutschpartie

Nehmen wir uns ein Beispiel: Georg Wilhelm Friedrich Hegel hatte einst eine fiese Polemik gegen die Religionsphilosophie des Berliner Kollegen Friedrich Schleiermacher verfasst. Dieser war sauer und verhinderte daraufhin die Aufnahme Hegels in die Akademie der Wissenschaften. Das wiederum ließ Hegel nicht auf sich sitzen: Er gründete den »Verein für wissenschaftliche Kritik«, lud eine Vielzahl von Professoren dazu ein – nur eben nicht Schleiermacher. Im Rahmen der Verteidigung einer Doktorarbeit an der Universität zu Berlin sollen die beiden Kollegen dann so sehr in Rage geraten sein, dass sie, wie es das Gerücht will, mit »spitzen Gegenständen« aufeinander losgingen. Um eine vollständige Blamage abzuwenden, soll ein gemeinsamer Freund die beiden Kontrahenten wenig später dazu angehalten haben, auf einer Kirmes in der Kreuzberger Hasenheide und in gemeinsamer Eintracht  … eine Rutsche hinunterzurutschen.

Wo kommen wir denn da hin?

Auch in diesem Online-Magazin sollen philosophische Rutschpartien organisiert werden. Sie werden – ganz in der Tradition von Hegel und Schleiermacher – aus der akademischen Höhe hinabführen und damit down to earth landen, wo sie gern in kirmesartige Zustände ausarten dürfen. Wir lassen dazu alle zwei, drei Wochen ein eher lebensweltliches Thema mit philosophischer Relevanz zirkulieren. An diesen Auseinandersetzungen beteiligen sich stets die drei Redakteure dieses Magazins sowie jeweils eine erlesene Gastautorin bzw. ein belesener Gastautor. So richtig in Fahrt kommen die Diskussionen aber erst dann, wenn sich die Leserinnen und Leser dieses Magazins durch eigene Kommentare auch selbst daran beteiligen. Dazu sind alle sehr herzlich eingeladen. Viel Spaß dabei!